Stagflation: Warum dieses Umfeld so schwierig ist – und wie sich Anleger darauf einstellen können
Alltag & Finanzen
Hinweis: Das Titelbild wurde mit Künstlicher Intelligenz erstellt.
Auch wenn ich die aktuelle wirtschaftliche Lage persönlich etwas entspannter einschätze als viele andere Marktbeobachter, lohnt es sich trotzdem, über mögliche Risiken nachzudenken. Gerade für langfristige Anleger ist es sinnvoll, sich mit Anlageklassen zu beschäftigen, die auch in schwierigen Zeiten Stabilität und Sicherheit ins Depot bringen können. Ein besonders herausforderndes Szenario ist dabei die sogenannte Stagflation.
Was bedeutet Stagflation überhaupt?
Stagflation beschreibt eine Kombination aus mehreren negativen Entwicklungen gleichzeitig:
hohe Inflation
schwaches oder stagnierendes Wirtschaftswachstum
steigende Arbeitslosigkeit
hohe oder weiter steigende Zinsen
Diese Mischung macht Stagflation zu einem der anspruchsvollsten Marktumfelder überhaupt. Viele klassische Anlagestrategien geraten hier an ihre Grenzen.
Ein Blick in die Geschichte zeigt, warum das so problematisch ist: In den 1970er-Jahren bewegte sich der Aktienmarkt über viele Jahre kaum nach oben, während die Inflation stark anzog. Wer investiert war, hatte zwar nominal kaum Verluste – verlor aber real deutlich an Kaufkraft.
Warum leiden klassische Anlagen besonders?
Aktien
Breite Aktienindizes können in einer stagflationären Phase über lange Zeit seitwärts laufen. Besonders schwierig wird es für hoch bewertete Wachstumsunternehmen. Steigende Zinsen drücken auf die Bewertungen, und zukünftige Gewinne verlieren an Wert.
Anleihen
Auch Anleihen bieten in diesem Umfeld wenig Schutz. Zwar steigen die Zinsen, doch die hohe Inflation frisst einen Großteil der Erträge wieder auf. Am Ende bleibt häufig ein negativer Realzins – also ein Verlust an Kaufkraft.
Welche Anlageklassen haben sich bewährt?
Ein Blick auf frühere stagflationäre Phasen zeigt recht klar, welche Bereiche besser abschneiden konnten:
Rohstoffe als Inflationsschutz
Rohstoffe zählen historisch zu den großen Gewinnern in einer Stagflation. Besonders Öl profitiert von steigenden Preisen und ist häufig selbst ein Auslöser von Inflation. Genau das macht Rohstoffe zu einer natürlichen Absicherung.
Edelmetalle im Portfolio
Gold spielt in solchen Phasen eine wichtige Rolle. Wenn das Vertrauen in Papierwährungen sinkt und die Geldmenge steigt, suchen Anleger nach einem stabilen Wertspeicher. Auch Silber und andere Edelmetalle können profitieren, vor allem bei Angebotsengpässen.
Energie als langfristiger Treiber
Hohe Energiepreise sind nicht nur das Ergebnis kurzfristiger Krisen. Oft liegen strukturelle Veränderungen im Angebot zugrunde, während die Nachfrage stabil bleibt oder sogar wächst. Das kann dazu führen, dass Energiepreise über Jahre hoch bleiben – wovon Energieunternehmen profitieren.
Qualitätsaktien statt teurer Wachstumswerte
Auch innerhalb des Aktienmarktes gibt es klare Unterschiede. Günstig bewertete Qualitätsunternehmen haben sich historisch robuster gezeigt. Sie verfügen häufig über stabile Gewinne, Preissetzungsmacht und sind weniger abhängig von niedrigen Zinsen.
Eine Auswertung des Vermögensverwalters Schroders kommt zu einem ähnlichen Ergebnis:
Sektoren wie Versorger, Basiskonsumgüter, Immobilien und Energie erzielten in stagflationären Phasen vergleichsweise bessere Resultate.
Fazit: Vorbereitung schlägt Prognose
Stagflation ist kein Umfeld, in dem einfache Lösungen funktionieren. Viele Strategien, die in den vergangenen Jahren gut gelaufen sind, könnten an Wirkung verlieren.
Dennoch gibt es Möglichkeiten, ein Depot widerstandsfähiger aufzustellen:
Rohstoffe und Edelmetalle können schützen, Energie bleibt ein struktureller Gewinner, und günstig bewertete Qualitätsaktien sind oft stabiler als hoch bewertete Wachstumstitel.
Für Anleger bedeutet das vor allem eines: Ein langfristiges Portfolio sollte nicht nur auf Wachstum setzen, sondern aus mehreren Bausteinen bestehen – damit es auch schwierige Marktphasen besser übersteht.

