Spritpreise in Deutschland: Warum Tanken so teuer ist – und wie wir im europäischen Vergleich dastehen
Politik
Hinweis: Das Titelbild wurde mit Künstlicher Intelligenz erstellt.
Deutschland gehört zu den teuersten Tankländern Europas
Wer regelmäßig tankt, kennt das Gefühl: Kaum ist der Tank gefüllt, sind 70, 80 oder sogar über 100 Euro verschwunden. Viele Autofahrer fragen sich deshalb, warum Kraftstoffe in Deutschland so teuer sind. Liegt es am Rohölpreis? An den Mineralölkonzernen? Oder sind es vor allem Steuern und Abgaben?
Die Antwort lautet: Von allem etwas. Der eigentliche Kraftstoff macht nur einen Teil des Endpreises aus. Mehr als die Hälfte des Betrags, den Verbraucher an der Zapfsäule bezahlen, fließt direkt an den Staat. Gleichzeitig gehört Deutschland im europäischen Vergleich regelmäßig zu den Ländern mit den höchsten Kraftstoffpreisen.
In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die Zusammensetzung der Spritpreise, erklären die Rolle von Steuern und CO₂-Abgaben und vergleichen Deutschland mit seinen Nachbarländern.
Wie setzt sich der Spritpreis zusammen?
Der Preis eines Liters Super E10 oder Diesel besteht aus mehreren Bestandteilen. Viele Autofahrer vermuten, dass hauptsächlich die Ölkonzerne profitieren. Tatsächlich sieht die Rechnung deutlich differenzierter aus.
Der Endpreis setzt sich im Wesentlichen aus folgenden Komponenten zusammen:
Rohölpreis
Raffineriekosten
Transport und Lagerung
Vertriebskosten der Tankstellen
Energiesteuer
CO₂-Preis
Mehrwertsteuer
Während sich Rohöl- und Raffineriekosten nahezu täglich verändern können, sind die staatlichen Abgaben größtenteils festgelegt.
Der Staat verdient an jedem Liter mit
Ein besonders großer Anteil entfällt auf Steuern und Abgaben.
Dazu gehören:
Energiesteuer
Die Energiesteuer (früher Mineralölsteuer) wird unabhängig vom aktuellen Ölpreis erhoben. Sie beträgt bei Benzin rund 65 Cent pro Liter und bei Diesel rund 47 Cent pro Liter.
Dieser Betrag bleibt konstant – egal ob der Rohölpreis steigt oder fällt.
CO₂-Preis
Seit 2021 wird zusätzlich ein CO₂-Preis auf fossile Brennstoffe erhoben.
Mit jeder Erhöhung steigt automatisch auch der Kraftstoffpreis.
Die Einnahmen sollen nach Angaben der Bundesregierung den Klimaschutz und die Energiewende finanzieren.
Mehrwertsteuer
Auf den gesamten Kraftstoffpreis wird anschließend zusätzlich die Mehrwertsteuer berechnet.
Das bedeutet:
Je höher der eigentliche Kraftstoffpreis wird, desto höher fällt automatisch auch die Mehrwertsteuer aus.
Der Staat profitiert daher sogar von steigenden Rohölpreisen.
Warum schwanken die Preise täglich?
Viele Autofahrer beobachten Preisunterschiede von bis zu 20 Cent innerhalb eines einzigen Tages.
Das liegt an mehreren Faktoren:
internationale Rohölpreise
Dollarkurs
Nachfrage
Wettbewerb zwischen Tankstellen
regionale Preisstrategien
Besonders günstig ist das Tanken häufig am frühen Abend.
Morgens und direkt nach Mitternacht sind die Preise dagegen häufig am höchsten.
Deutschland im Vergleich zu seinen Nachbarländern
Ein Blick über die Grenzen zeigt interessante Unterschiede.
Während Deutschland regelmäßig zu den teuersten Tankländern zählt, können Autofahrer in mehreren Nachbarstaaten deutlich günstiger tanken.
Besonders preiswert sind häufig:
Polen
Tschechien
Luxemburg
Etwas günstiger als Deutschland liegen häufig:
Österreich
Belgien
Ähnliche oder teilweise höhere Preise finden sich unter anderem in:
Niederlande
Dänemark
Die Unterschiede entstehen hauptsächlich durch unterschiedliche Steuer- und Abgabensysteme.
Der eigentliche Rohölpreis ist innerhalb Europas dagegen nahezu identisch.
Warum ist Tanken in Polen oft deutlich günstiger?
Viele Grenzbewohner fahren regelmäßig zum Tanken ins Ausland.
Der wichtigste Grund:
Polen erhebt deutlich niedrigere Energiesteuern und Abgaben auf Kraftstoffe.
Bereits wenige Cent Preisunterschied pro Liter können sich bei einem 60-Liter-Tank schnell auf zehn bis zwanzig Euro Ersparnis summieren.
Hinzu kommen häufig günstigere Shoppreise und niedrigere Lebenshaltungskosten.
Verdienen die Mineralölkonzerne übermäßig?
Diese Frage wird regelmäßig diskutiert.
Zwar erzielen Raffinerien und Mineralölunternehmen Gewinne, jedoch machen sie nur einen Teil des Endpreises aus.
Ein erheblicher Anteil entfällt auf:
Energiesteuer
CO₂-Abgabe
Mehrwertsteuer
Deshalb würde selbst eine sinkende Gewinnspanne der Unternehmen den Endpreis oftmals nur geringfügig verändern.
Welche Rolle spielt der CO₂-Preis künftig?
Der CO₂-Preis soll in den kommenden Jahren weiter steigen.
Dadurch verteuern sich:
Benzin
Diesel
Heizöl
Erdgas
Langfristig soll dadurch der Umstieg auf klimafreundlichere Technologien wirtschaftlich attraktiver werden.
Für Verbraucher bedeutet dies allerdings auch steigende Mobilitätskosten.
Welche Möglichkeiten haben Autofahrer, Geld zu sparen?
Auch wenn niemand den Ölpreis beeinflussen kann, lassen sich die Tankkosten reduzieren.
Dazu gehören unter anderem:
am frühen Abend tanken
Preisvergleichs-Apps nutzen
Reifendruck regelmäßig kontrollieren
unnötiges Gewicht vermeiden
vorausschauend fahren
Kurzstrecken reduzieren
Bereits ein um zehn Prozent geringerer Verbrauch spart bei einer Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern mehrere hundert Euro.
Fazit
Der Kraftstoffpreis in Deutschland besteht aus deutlich mehr als dem eigentlichen Benzin oder Diesel.
Ein erheblicher Teil entfällt auf staatliche Steuern und Abgaben. Besonders Energiesteuer, CO₂-Preis und Mehrwertsteuer sorgen dafür, dass Deutschland im europäischen Vergleich regelmäßig zu den Ländern mit hohen Kraftstoffpreisen gehört.
Während der Rohölpreis starken Schwankungen unterliegt, bleiben viele staatliche Abgaben konstant oder steigen sogar schrittweise an. Dadurch reagieren die Preise an der Zapfsäule zwar auf internationale Entwicklungen, werden jedoch maßgeblich durch nationale Steuerpolitik beeinflusst.
Für Verbraucher bleibt deshalb vor allem eines: Preise vergleichen, günstige Tankzeiten nutzen und den eigenen Kraftstoffverbrauch möglichst effizient gestalten.

